Tor-Weg-Wohnung (TWW)

Nachdem die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die Burg und das ehemalige Hofgut der Fürstenfamilie Solms-Hohensolms-Lich gekauft hatte, blieben etliche Gebäudeteile und Räume noch ungenutzt. So auch die Wohnung über dem Torweg, der ins Innere des Burggeländes führt. In dieser Wohnung hatte früher der Stallmeister mit seiner Familie gewohnt. Außerdem waren dort Räume für Knechte und Mägde sowie Schlafgelegenheiten für die sogenannten „Feldmädchen“, die als Saisonarbeiterinnen während der Erntezeit im Hofgut tätig waren.

Die leer stehenden Räume sind einer Gruppe von Spiel- und Theaterpädagogen aus der kirchlichen Jugend- und Bildungsarbeit um Fritz Rohrer, die schon länger auf der Jugendburg Seminare anboten, aufgefallen. Sie nahmen sich der Räume über dem Torweg und im ehemaligen Gutshof, die arg heruntergekommenen waren, an und renovierten diese ab dem Herbst 1975 im Rahmen der jährlichen „Pädagogischen Werkstätten“.

Damit Gruppen der Tor-Weg-Wohnung (TWW) die größtmögliche Freiheit zur Gestaltung hatten, wurden die Räume leer und einfach gehalten. Bei aller Schlichtheit waren sie voll funktionsfähig und dienten unterschiedlichen Gruppen aus der Jugend- und Bildungsarbeit als Proben- und Entwicklungsort für neue Projekte in der Spiel- und Theaterarbeit. Das Zusammensein war geprägt von der Idee des gemeinsamen einfachen Lebens. Unter ihrem Motto „Spiel = Arbeit?!“ widmeten sie sich dem Spiel und Theater.

Im Laufe der Jahre wurden weitere Räume, wie der Kuhstall, der „roten Rinderstall“und die Knechtskammer einbezogen. Ebenso die ehemalige Scheune, die zunächst als „Regenhalle bezeichnet und später in „Regenbogenhalle“ unbenannt. Sie wurde als stimmungsvoller Raum für Spiel, Theater und Konzert genutzt. 1992 wurde sie von einem Sturm zerstört und später zu einen großen Saal mit bis zu 200 Plätzen für die Jugendburg ausgebaut.

Im Jahr 1981 gründete sich aus der Projektgruppe der Trägerverein „Tor-Weg-Wohnung e.V. - Gutshof für Spiel und Theater“. 1983 wurde die Benutzung der Räume vertraglich geregelt. Was anfangs nur ein Experimentierfeld von Spiel- und Theaterpädagogen war, entwickelte sich nach kurzer Zeit zu einer selbstständigen und ernst zu nehmenden Bewegung in der kirchlich-kulturellen Bildungsarbeit, die Teil des Burglebens war.

Neben der pädagogischen Arbeit war ein besonderer Verdienst des Vereins „Tor-Weg-Wohnung e.V“, dass die Mitglieder einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Gebäude, die von Vernachlässigung und Verfall bedroht waren, geleistet haben. Als die Schäden am Dach des „roten Rinderstalls“ immer größer wurden, hat eine finanzielle Initiative des Vereins wesentlich dazu beigetragen, dass die EKHN eine gründliche Sanierung des Daches beauftragte.
Bei den sogenannten „Putz- und Flicktagen“ haben sie ehrenamtlich immer wieder die Räumlichkeiten instand gehalten. Leider wurde dies von so manchen nicht ausreichend gewürdigt.

Im Sommer 2015 wurde die Nutzung der Tor-Weg-Wohnung aus Brandschutzgründen für die Arbeit mit Gruppen gesperrt. Erst nach einem entsprechenden Ausbau hätte sie wieder genutzt werden können. Dies führte dazu, dass sich der Tor-Weg-Wohnung e.V. nach einem neuen Domizil umsehen musste und im Selbstversorgerhaus Lützel gefunden hat.