Baugeschichte der Burg HohensolmsVon den Anfängen bis zur Nutzung als Evangelische Jugendburg im Jahre 1924

Eine Burg Hohensolms wurde erstmals 1321 auf dem Altenberg wenige Kilometer südwestlich des jetzigen Standortes gebaut. In zwei Fehden zwischen dem Landgrafen von Hessen und dem Erzbischof von Mainz wurde sie jeweils eingenommen und auch zerstört. 1350 wurde sie als Burg Hohensolms am heutigen Ort neu errichtet.

Mittelalterliche Wehrburg

Im ursprünglichen Zustand war Hohensolms eine Wehrburg. Die stärksten Befestigungsanlagen befanden sich auf der Südostseite: Eine fünf Meter dicke "Schildmauer" schirmte die Burg zum "Hals" hin ab. Hinter der Schildmauer lag der "Palas" mit den ältesten Wohnräumen. Er enthielt den Rittersaal, darüber weitere Räume in einem Obergeschoss. Nach Nordwesten schloss sich der Gebäudeteil an, von dem heute noch die starke Außenmauer als Ruine erhalten ist. Vermutlich war hier die "Kemenate" mit kleineren heizbaren Räumen. Zugänglich waren die Obergeschosse über steinerne Wendeltreppen. Zur ursprünglichen Burg gehörte auch ein Bergfried (Turm), der vermutlich im nördlichen Bereich des Burghofs stand. Die Befestigungsanlagen mit Toren und Türmen umschlossen außer der eigentlichen Burg auch das "Tal", die südwestlich unterhalb der Burg gelegene Ansiedlung der Burgmannen, Bediensteten und ihrer Familien.

Wohnschloss

Im Laufe der Zeit wurde die Wehrburg zu einem Wohnschloss umgestaltet. Die wichtigsten Ausbauarbeiten fallen in die Zeit, in welcher die Aussicht bestand, dass die alten Machtkämpfe durch einen gemeinsamen "Landfrieden" abgelöst würden. 1495 hatte der Reichstag die Gründung des Reichskammergerichts beschlossen. Streitigkeiten sollten künftig dort behandelt werden, sodass die bisherigen "Kleinkriege" aufhören konnten.

Vermutlich im Anfang des 16. Jahrhundert, also unter der Herrschaft des Grafen Philipp, wurde der alte Palas erweitert. Der Bau wurde bis zur Schildmauer vorgezogen und aufgestockt. Aus dem Jahr 1527 stammt der Vertrag mit einem Dachdecker, der den Auftrag erhielt, "den neuen bau ubber dem gewelbe zu Solms" vollständig zu decken. Ob das "gewelbe" der Rittersaal sein soll oder nur der überbaute Gang zwischen Palas und Schildmauer ("Tunnel"), lässt sich nicht mehr ausmachen. Vielleicht handelt es sich aber schon um das Dach, das sich noch heute auf dem Schlossgebäude befindet.

Teilung und teilweiser Verfall

Infolge der Teilungen gab es nach 1600 Schwierigkeiten mit der Burg. Streitigkeiten und Verhandlungen zogen sich über Jahre hin, bis Philipp Reinhard I. in einem Vertrag von 1622 drei Viertel der Burg erhielt. Er übernahm den "Neuen Bau" (auch "das hohe Haus" genannt), der von ihm und seinen Nachkommen benutzt, gepflegt und weiter ausgebaut wurde. Die Gebäude im Nordwesten mit ihren kleineren Räumen wurden dem Licher Grafen Philipp zugesprochen. Die Licher hatten kein Interesse an ihrer Erhaltung und ließen sie zerfallen. Vermutlich dienten die Mauern als Steinbruch, sodass in der heutigen Ruine wesentliche Teile der früheren Gebäude völlig verschwunden sind. Auffällig, sogar mit Schmuckbögen versehen, sind die Mauerreste der "Münze". In diesem Gebäudeteil muss sich bis in die Zeit um 1700 die Werkstatt befunden haben, in der die Grafen von ihrem Münzrecht Gebrauch machten.

Auch der Bergfried (hoher Hauptturm), der jahrhundertelang Wahrzeichen der Burg war, wurde ein Opfer der Vernachlässigung. Er verschwand. Von ihm sind heute keinerlei Spuren mehr zu sehen. Durch Grabungen könnte man vielleicht seine Fundamente nachweisen.

Residenz der Grafen von Solms-Hohensolms

Als Philipp Reinhard II. im Jahre 1638 auf Butzbach verzichten musste, blieb ihm nur Hohensolms als Residenz. Das führte zu einem weiteren Ausbau des Schlossgebäudes. Die erwähnte Jahreszahl 1639 an einem Fenstergewände im zweiten Obergeschoss markiert genau das Jahr, in dem Philipp Reinhard seinen Wohnsitz im Schloss nahm. Während seiner Regierungszeit folgten die Bauarbeiten, bei denen die frühbarocken Prunkräume zu Repräsentations- und Wohnzwecken eingerichtet und ausgestaltet wurden. Unter diesen Räumen ragte besonders das "Schwarze Gemach" mit seiner kostbaren Holzausstattung, der schönen Decke, den Säulen und Schnitzereien hervor (heute: Burgkapelle). Im Raum nebenan (heute: Tagesraum "Cordier") sind weitere Spuren des damaligen Ausbaus erhalten.

Ein Meisterwerk der Statik und Schnitzkunst ist die prachtvolle Haupttreppe mit ihrer reich geschnitzten Brüstung, die um 1700 erbaut wurde. Sie gilt als eine der ältesten freitragenden Holztreppen dieser Größenordnung.

Rätsel gibt uns der achteckige "Eulenturm" gegenüber der Dorfkirche auf. Seine Bauweise zeigt, dass er nicht als Wehrturm gedacht, sondern zum Ausbau für Wohnzwecke bestimmt war. In eine Nische des jetzt ausgebauten obersten Umgangs war ein altes Klosett eingebaut ("Abgang" zum Burghof hin). Ist es je benutzt worden? Es gibt keine Spuren eines früheren Innenausbaus. Offenbar blieb der Turm unvollendet. In manchen Beschreibungen der Burg Hohensolms wird er als "gotisches Bauwerk" bezeichnet. Manche Merkmale legen dagegen die Vermutung nahe, dass der Turm auch erst nach dem 30jährigen Krieg, also zur Zeit der Residenz gebaut und aus irgendwelchen Gründen nicht zu Ende gebracht worden ist.

Sommerresidenz und Witwensitz

Graf Friedrich Wilhelm verlegte 1718 die Residenz von Hohensolms nach Lich, nachdem die dortige Linie mit dem Tode seines Vetters Hermann Adolf Moritz erloschen war. Das Schloss in Hohensolms wurde aber seitdem nicht vernachlässigt. Als Sommerresidenz, in der sich die gräfliche, später fürstliche Familie Jahr für Jahr etwa zwei Monate aufhielt, vor allem auch als Witwensitz, wurde das Gebäude weiter gepflegt.

Das "Schwarze Gemach" im zweiten Obergeschoss stand seit dem Tod der Gräfin Luise geb. zu Dohna im Jahr 1687 unbenutzt. Der benachbarte Festraum wurde Abstellraum ("Rumpelkammer"). Stattdessen stattete die gräfliche Familie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Zimmerflucht im ersten Obergeschoss als Wohnetage neu aus. Auffallend ist die geschmackvolle Holzvertäfelung der Fensternischen, die gleichzeitig zum Verdunkeln der Räume durch Klappläden zu benutzen ist. Die Zimmer wurden mit Öfen versehen. In der ehemaligen Wendeltreppe, die durch das neue Treppenhaus überflüssig geworden war, entstand eine Ofenkammer. Von dort aus konnten mehrere Öfen beheizt werden: Im grünen Saal und in den heutigen Büroräumen "Schütz" und "Händel". Nach der Fürstinwitwe Henriette Sophie, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts diese Zimmerflucht bewohnte, sprach man hier später noch von den "Henriettenzimmem". Zusammenhängend bewohnt waren sie noch einmal in den ersten Jahren unseres Jahrhunderts von der Fürstinwitwe Agnes und ihren drei Töchtern (1900-1904).

Als die Christdeutsche Jugend 1924 im Schloss einzog, behielt sich die fürstliche Familie die "Henriettenzimmer" weiter für den eigenen Gebrauch vor. Aber auch in vielen anderen Räumen stand fürstliches Mobiliar, hingen Bilder oder Gobelins an den Wänden und bestimmten die Atmosphäre des Hauses. Im Laufe der Zeit wurden viele dieser Gegenstände nach Lich gebracht. Nach dem Verkauf an die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau im Jahr 1969 sind nur noch ganz wenige Reste der alten Ausstattung im Haus zurückgeblieben.