Meilensteine der Geschichte der Evangelischen Jugendburg Hohensolms
1.7.1924
Die Hohensolmser Burg wird zum Begegnungs- und Lernort für Jugendliche und junge Erwachsene. Die Christdeutsche Jugend mietet zum 1.7.1924 teile der Burg vom Fürsten Reinhard zu Solms-Hohensolms-Lich für ihr Bundesheim an: das Erdgeschoß mit Küche, Rittersaal und sechs weiteren Räumen, sowie das zweite Obergeschoß mit elf bewohnbaren Räumen.
14.9.1924
Über 250 Teilnehmer:innen kamen am 14.9.1924 in Hohensolms zusammen, um die Burg feierlich als Bundesheim der Christdeutschen Jugend einzuweihen. Der Tag der „Burgweihe“ wurde in den folgenden Jahren als „Burggedenktag“ von den christdeutschen gruppen in Erinnerung gerufen und besonders gefeiert.
November 1924
Die „Christdeutsche Jugend“ verstand sich als „Bildungsbewegung“. Neben dem gemeinsamen Leben bei Wanderungen und Freizeiten, dem Diskutieren, Feiern von Festen und der Verpflichtung auf gemeinsame Aufgaben und Ziele hatte die Bildungsarbeit einen hohen Stellenwert.
Einen großen Schwerpunkt der Bildungsarbeit nahm die „Heimvolkshochschule“ unter der Leitung des Hohensolmser Gemeindepfarrers Friedrich Wilhelm Petri ein. Im November/ Dezember 1924 fand der erste vierwöchige Kurs für Mädchen statt. Die späteren Kurse dauerten in der Regel drei Monate. Ein eigenes Lehrerkollegium wollte den jungen Menschen, bei gemeinsamem einfachem Leben auf der Jugendburg, vor allem „Reifehilfe“ und Sicherheit für persönliche Lebensentscheidungen bieten.
1933
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 endete die freie Arbeit aller Jugendverbände und -bünde, auch die der kirchlichen Jugendarbeit und deren Bildungseinrichtungen.
Bald wurde die Arbeit der Christdeutschen Jugend und der Heimvolkshochschule auf der Jugendburg vom Staat untersagt. Es konnten zwar noch Kurse und Bildungsangebote stattfinden, allerdings nur noch zu den Themen Glaubenslehre und Bibel zur innerkirchlichen Fortbildung.
1934
Im Mai 1934 gründete sich mit der ersten Barmer Bekenntnissynode die „Bekennende Kirche“. In der „Barmer Theologischen Erklärung“ verwarf sie die Gleichschaltungspolitik des NS-Regimes sowie die Verfälschung der christlichen Lehre durch die völkisch rassistische Ideologie des Nationalsozialismus. Die Christdeutsche Jugend schloss sich mehrheitlich der „Bekennenden Kirche“ an, die unter manchen Risiken eigene Strukturen aufbaute und mit geistlichem Leben füllte.
1934
Die Jugendburg Hohensolms wird zur Zufluchts- und Bildungsstätte der „Bekennenden Kirche“. Ein bedeutsamer Schwerpunkt wurde die Pfarrerfortbildung, ergänzt durch „Laienschulungswochen“ für Gemeindeglieder.
1939
Nach dem Verbot der Bildungsangebote im Jahre 1939 durch das NS-Regime diente die Jugendburg vorwiegend als Erholungsheim für Einzelne und Gruppen.
1946
Kurz nach Ende des 2. Weltkriegs wird 1946 der Freizeiten- und Tagungsbetrieb wieder aufgenommen.
1952
Zum 1.11.1952 übernimmt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) vom „Verein für Bibelarbeit Hohensolms“, der aus der „Christdeutschen Jugend“ hervorging, die Trägerschaft der Jugendburg.
7.-8.6.1953
Nach einer gründlichen Renovierung konnte die Evangelische Jugendburg vom 7. - 8.6.1953 feierlich wiedereröffnet werden.
1954
Nach der Übernahme der Trägerschaft der Evangelischen Jugendburg durch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) wurde der ehemalige Trägerverein zum „Hohensolmser Freundeskreis e.V. - Verein zur Förderung der Evangelischen Jugendburg Hohensolms“.
Er setzt sich dafür ein, dass die Evangelische Jugendburg als ein kirchlicher Ort für die Arbeit von und mit Kindern und Jugendlichen erhalten bleibt und weiterentwickelt wird. Der Verein begleitet und fördert die laufende Arbeit der Evangelischen Jugendburg ideell und finanziell.
1967
Teilweise Sperrung der Burg wegen baulicher Mängel.
1.1.1969
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) erwarb zum 1.1.1969 die Hohensolmser Burg und das ehemalige Hofgut von der Fürstenfamilie Solms-Hohensolms-Lich. In den folgenden Jahren konnte die Jugendburg weiter modernisiert und ausgebaut werden.
1969/ 1970
Umfangreiche Renovierung und Modernisierung der Jugendburg.
1972
In der ehemaligen Försterwohnung im Marstallgebäude wurden für die medienpädogische Arbeit im Januar 1972 ein Tonstudio und ein Fotolabor eingerichtet.
1972/ 1973
Ausbau des Eulenturm mit der Treppe, des Schaftstalls mit Werkräumen und des Heuboden zu einem großen Tagungsraum.
1975
Eine Gruppe von Spiel- und Theaterpädagogen aus der kirchlichen Jugend- und Bildungsarbeit um Fritz Rohrer, die schon länger auf der Jugendburg Seminare anboten nehmen sich der leer stehenden Räume über dem Torweg und im ehemaligen Gutshof an und renovierten diese ab dem Herbst 1975 im Rahmen der jährlichen „Pädagogischen Werkstätten“. Im Laufe der Jahre wurden weitere Räume einbezogen.
Das Zusammensein ist geprägt von der Idee des gemeinsamen einfachen Lebens. Unter ihrem Motto „Spiel = Arbeit?!“ widmen sie sich dem Spiel und Theater. Im Jahr 1981 gründet sich aus der Projektgruppe der Trägerverein „Tor-Weg-Wohnung e.V. - Gutshof für Spiel und Theater“.
1986
Diskussion um die Zukunfz der Jugendburg: Verkauf oder Erhalt und weiterer Ausbau.
1989
Die Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) beschließt den weiteren Ausbau der Hohensolmser Burg zugunsten der Evangelischen Jugendarbeit.
1994
Der Ausbau des Marstalles als Tagungs- und Gästehaus mit Speisesaal und Küche sowie Einzel- und Doppelzimmern und weiteren Tagungsräumen wurde abgeschlossen.
2000
Die Kirchensynode der Ev. Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat während ihrer Tagung im Dezember 2000 mit großer Mehrheit die unbefristete Weiterführung der Evangelischen Jugendburg Hohensolms und der Evangelischen Jugendbildungsstätte Kloster Höchst/Odw. beschlossen. Gleichzeitig wurden die hierfür zwingend notwendigen Sanierungs- und Ausbaumaßnahmen, mit deren Planung und Durchführung nun unverzüglich begonnen werden soll, beschlossen. Vorangegangen war eine langjährige Debatte um die Zukunft der beiden zentralen Jugendbildungsstätten der EKHN.
28.6.2003
Wiedereröffnung nach vorübergehender Schließung der Burg von 13 Monaten zur Grundsanierung und Modernisierung der Jugendburg. Ausbau der Regenbogenhalle und der Medienräume im alten Kuhstall.
2015
Aus Brandschutzgründen wird im Sommer 2015 die Nutzung der Tor-Weg-Wohnung für die Arbeit mit Gruppen gesperrt. Erst nach einem entsprechenden
Ausbau hätte sie wieder genutzt werden können. Dies führt dazu, dass sich der Tor-Weg-Wohnung e.V. nach einem neuen Domizil umsehen musste.
2021
Mit deutlicher Mehrheit hat die Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) während ihrer Tagung im November 2021 einer Veräußerung der Evangelischen Jugendburg Hohensolms zugestimmt.
2022
Seit Mai 2022 wird das Haupthaus der Jugendburg zur Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine genutzt. Für den Tagungsbetrieb stehen nur noch die Zimmer und Tagungsräume im Marstall zur Verfügung.
2023
Nach dem Verkauf der Hohensolmser Burg durch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) geht nach 99 Jahren Ende Februar 2023 die Ära der Evangelischen Jugendburg zu Ende.
Zum 1.3.2023 erwirbt die Privatschule Carpe Diem die Burg, die dort eine Privatschule mit Internat betreiben möchte. Diese Vorhaben scheitert jedoch. 2026 erwirbt die Haus-Hohensolms-Stiftung, die eine heilpädagogische Einrichtung der Behindertenhilfe für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betreibt, die Hohensolmser Burg.